17.06.08
[Aktueller Song: "Lyrics Files" von Akhenaton]Da wohnt man in der muselmanisch befreiten Zone von Köln und zwar genau gegenüber einer der letzten ungläubigen Kölschkneipen. Das war keine Absicht, dort hinzuziehen, aber der Konflikt, der "Clash of cultures" ist hier zur EM besonders zu spüren. Mal abgesehen davon, dass ich bisher noch immer nicht weiß, was die Türkei bei der EM zu suchen hat, wo sich doch 97 Prozent des Landes eindeutig in Asien befinden, hat man hier in Bickendorf immer dann Spaß, wenn die Türkei gewinnt. Dann nämlich vermeinen die Türken, fröhlich hupend ihre Nation zu feiern.
Die letzte Hupe verklang heute morgen gegen 5 Uhr, eine Stunde bevor ich aufstehen musste. Aber was soll's, ich gönne es den Türken von Herzen, mit ihren Türkenautos und Türkeiflaggen durch mein Veedel zu cruisen und dabei laut zu hupen. Wirklich.
Gewinnen die Türken nicht, greifen die Brauchtumskölner in der Kölschkneipe gegenüber ein. Es ist ja nicht so, dass es hier in Bickendorf Menschen gäbe, die arbeiten und früh aufstehen müssen. In Bickendorf, so scheint es, hat sich der Brauchtumskölner komplett auf sein Hartz-IV-Dasein eingestellt und das feiert er, wann immer ein Fußballspiel gelaufen ist. Scheißegal, ob Deutschland gespielt oder gar gewonnen hat, bis fünf Uhr morgens bollern die Bässe von "FC Kölle", dazu gibt es billige Pisse vom Fass und es wird gegröhlt. LAUT gegröhlt.
Ein wenig erinnert diese Kneipe an das berühmte gallische Dorf: Ganz Bickendorf ist von den Türken besetzt. Ganz Bickendorf? Nein! Ein Stamm unbeugsamer Kölschschlürfer nimmt wirklich jeden irgendwie fußballrelevanten Anlass wahr, sich bis tief die Nacht im "kölsche Klüngel" zu besaufen. Und überhaupt neigt der Kölner ja dazu, aus allem eine kölschgetränkte Karnevalsparty zu machen. Neulich, als der FC aufgestiegen ist, hat ganz Köln spontan Rosenmontag gefeiert. Heute haben sie sogar noch einen draufgelegt: Trillerpfeifen! Oh, wie ich diese Dinger hasse!
Im Anbetracht dieser Fakten ist es sicher schwer zu verstehen, warum ich trotzdem gerne hier wohne. Irgendwie mag ich diese Kölner Art. Und während Arschlochblogs wie Politically Incorrect diese Ecke von Köln längst als klein Istanbul verloren glauben, weiß ich es besser: Hier leben sie alle in Eintracht und selbst, wenn die Türkei im Endspiel gegen SCHLAAAAND verlieren sollte, werden sie nachher alle gemeinsam Kölsch saufen, hupen und einen Döner essen.
Und genau dafür liebe ich diese Stadt.


Comments
Add Comment