Datenschutz-Deppen im StudiVZ
28. Dezember 2007 von CRen
[Aktueller Song: "Murder On The Dancefloor" von Sophie Ellis Bextor]
Wenn das StudiVZ zum Jahreswechsel die AGB ändert, gibt es kein Entkommen: Wer nicht zustimmt, fliegt raus. Der Grund für diese besondere Form der Mitgliederbetreuung ist eine AGB-Änderung, die den Betreibern zielgruppenbasierte Werbung erlauben soll. Mit anderen Worten: Werbebanner werden passend zu den Interessen des Nutzers auf StudiVZ angezeigt, gut für den Nutzer, gut für”s StudiVZ und etwas, was unter anderem bei Googlemail schon seit 2004 praktiziert wird.
Trotzdem ging ein Aufschrei durch die Medien, von Adresshandel und anderen Boshaftigkeiten war die Rede, ganz so, als würden es die Betreiber der größten deutschen Studenten-Community ernsthaft darauf absehen, ihren Ruf nachhaltig zu schädigen. Es kam, wie es kommen musste: Die einen drohten mit Boykott und Abmeldung, den anderen war es egal und geblieben ist dann doch alles beim Alten. Wobei, halt: Etwas hat sich geändert!
Einige besonders schlaue Datenschutz-Deppen scheinen sich nämlich gedacht zu haben, dass personalisierte Werbung nicht funktioniert und man anonym unterwegs ist, wenn man nur den Namen ändert. Und so flutet das VZ plötzlich vor Pippi Langstrumpfs, Luke Skywalkers und anderen Fantasiegestalten über. Die schlausten der Schlauen haben dann noch ihr Foto geändert, am besten in eines, das nicht sie, sondern irgendwen darstellt. Und andere Kontaktdaten wie Adressen und Telefonnummern fehlen neuerdings auch.
Ganz schlau, wirklich! Da schreibt man doch gerne… welche der drei Pippi Langstrumpfs mit dem Diddl-Bild war gleich nochmal meine alte Schulfreundin?
Das StudiVZ-Konzept wird damit vollkommen ad absurdum geführt, die Leute, die man sucht, sind nicht einmal mehr auffindbar, wenn man sie bereits in den Freundeslisten hat. Am Schönsten daran ist natürlich, dass die personalisierte Werbung trotzdem greift, die hat nämlich mit den geschriebenen Nachrichten und den Gruppen, an denen man teilnimmt, zu tun. Einmal abgesehen davon, dass sich sowieso die Identität jedes Nutzers gegebenenfalls über seine IP-Adresse feststellen lässt, sofern er nicht über die 1001 tollen Anonymisiertricks gewisser PC-Zeitungen ins Netz geht. Das dürfte aber außer Schäuble-Paranoikern und Privacy-Nerds niemand ernsthaft in Erwägung ziehen, weil sowas selbst die schnellste DSL-Leitung auf Modem-Niveau runterbremst.
Abgesehen davon bleiben die Nachrichten nach wie vor personalisiert, sonst ist diese Funktion ja auch nicht mehr benutzbar. Insofern ist das für die Betreiber Jacke wie Hose.
Meine Empfehlung: Entweder, Ihr nutzt das VZ mit ordentlichen Angaben, oder Ihr lasst das bleiben. So wie im Moment ist das jedenfalls einfach endpeinlich, nervig und fehlparanoid, zumal Ihr doch vermutlich auch alle längst bei irgendwelchen Gewinnspielen im Web mitgemischt habt, oder?
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