Garten Eden, Köln: Die Sushi-Flatrate
14. Dezember 2008 von CRen
[Aktueller Song: "That´s You" von The Slapstickers]
Sushi ist lecker, hat aber einen enormen Nachteil: Wer sich scheut, das fischige Reisgericht selbst zuzubereiten, muss mit erheblichen Unkosten rechnen. Nicht so im Garten Eden in Köln: Der Laden bietet, anders als andere Sushi-Restaurants, eine Sushi-Flatrate an. Hier kann Sushi gegessen werden, bis es oben rauskommt und das für unter 12 Euro.
“Das kann ja nichts sein”, denkt der Sushi-Fan, wenn er vor dem Laden auf den Kölner Ringen steht. Heimisch im ehemaligen “Poco Loco” hat sich der Garten Eden nicht sonderlich viel Mühe beim Ambiente gemacht. Die alte Poco-Einrichtung ist noch da und statt asiatischer Kulisse bietet sich dem Kunden der sachliche Charme moderner Autobahnraststätten, samt Papierunterlagen für den Tisch und riesiger Selbstbedienungstheke, auf der allerlein japanische und asiatische Gerichte feilgeboten werden.
Die Kundschaft ist typisches Kölner Ring-Publikum: Bodybuilder mit Migrationshintergrund, metrosexuelle Erstsemester, Schüler, Azubis. Dazwischen aber zahlreiche Asiaten, was möglicherweise ein gutes Kriterium für Qualität ist. Denn wann sieht man schonmal Asiaten beim Asiaten essen? Oder Türken beim Türken? Spanier beim Spanier? Inder beim Inder? Und so weiter. Wenn also Einheimische da sind, spricht viel für die Authentizität des Essens, was in zahlreichen Varianten von fleissigen Sushi-Meistern und Asia-Köchen hinter der Theke frisch zubereitet wird.
Die Auswahl ist einfach: Mitgehangen, mitgefangen und wer den Laden betritt, muss ans Buffet für 11,90 Euro. Wer nun aber glaubt, für den geringen Preis Abstriche beim Service machen zu müssen, hat sich getäuscht. Das freundliche Personal ist schnell zur Stelle und hat, anders als in vielen anderen Restaurants, die Tische nicht untereinander aufgeteilt. Der Gast kann also die nächstgelegene Kellnerin heranordern, was meist per Blickkontakt problemlos möglich ist. Keine Arroganz, sondern gute Laune beim Personal, sicherlich auch deswegen, weil sie sich selbst am Buffet bedienen dürfen.
Doch wie schaut es aus, das Buffet? Der Freund gepflegter asiatischer Küche wird hier alles finden, was gut schmeckt, ohne dass die geschmackliche Einfalt eines All-you-can-Eat beim Chinesen um die Ecke aufkommt. Frische dominiert, sogar die sonst sehr kritisch zu betrachtenden frittierten Shrimps chinesischer Bauart, die eigentlich überall wie mit Fischmehl gefüllte Dachpappe schmecken, sind lecker und schmecken, man mag es kaum glauben, wie Shrimps schmecken sollten. Frischware ist auch in Form von unfrittiertem Gemüse zu finden, lecker als Spieße oder Taschen mit passender Sauce. Und das beste: Hier legt niemand Wert auf abschreckenden Maßnahmen, die andere Flatrate-Restaurants gerne nutzen um den Hunger der Kundschaft unter Kontrolle zu halten: Die Teller besitzen normale Größe und haben nicht wie bei der Konkurrenz das Format eines Eurostücks.
Doch wie schaut es mit dem Sushi aus, dafür schaut man schließlich hauptsächlich beim Garten Eden vorbei? Sushi ist vorhanden, und zwar in den Varianten, die auch Supermarkt-Sushi anbietet. Das heißt: Makis, Nigiris und California-Rolls in zusammen etwa zehn Varianten: Lachs, Krabbe, Gemüse, Tintenfisch, Paprika und und und. Exotischere oder teurere Fischware wie Thunfisch oder Aal sucht man allerdings vergeblich, dafür dominiert auch hier, trotz Massengeschmack die Frische: Wer mag, kann den Köchen bei der Arbeit zusehen.
Sojasauce und Wasabi sind im Überfluß vorhanden und große Töpfe mit eingelegtem Ingwer laden zum Zugreifen ein.
Ein Problem von All-you-can-Eat-Angeboten ist ja, dass das Buffet binnen kürzester Zeit wie ein Schlachtfeld aussieht. Nicht so im Garten Eden: Die Köche kümmern sich mit japanischem Perfektionismus um die Auslagen und sorgen dafür, dass alles immer neu und appetitlich aussieht. Das freut das Auge und den Flatrate-Fresser. Der Perfektionismus bleibt auch auf den Tischen bestehen. Leere Teller werden sofort von den freundlichen Kellnerinnen abgeräumt, damit kein Kunde mit einem schmutzigen Teller zum Buffet muss – neue Teller samt Einweg-Stäbchen oder normales Essbesteck warten bereits.
Geschmacklich ist das gesamte Angebot auf dem Niveau der gehobenen Mittelklasse. Besseres Sushi gibt es natürlich beim dedizierten Sushi-Restaurant, doch da ist das Zeug auch wesentlich teurer. Supermarkt-Ware lässt der Garten Eden hingegen komplett im Regen stehen, da ist keine Konkurrenz in Sicht, man schmeckt, dass der Koch sich Mühe gegeben hat. Wer den Sushi-Meister beim konzentrierten Belegen der Krabben-Sushi beobachtet, weiß, dass da jemand seinen Beruf liebt. Die Sorgfalt schlägt sich auch optisch nieder: Obwohl der Flatrate-fressende Pöbel sicherlich frustrierend für jeden Sushi-Künstler ist, wird jedes Stück so ordentlich zubereitet, als würde es einem König serviert.
Kritikpunkte sind sicherlich nach 22 Uhr zu suchen: Da der Garten Eden unter der Woche um 23 Uhr schließt, wird ab 22 Uhr die Sushi-Produktion eingefroren. Ich wartete vergebens auf einen Nachschlag der leckeren Lachs-Maki. Doch dafür gab es Lachs-Nigiri im Überfluss und die sind ja genauso gut. Auch verliert der Service um diese Zeit an Aufmerksamkeit, wenn auch nicht an Freundlichkeit und Gäste werden auch nicht herausgedrängelt. Hier gibt man gerne Trinkgeld!
Apropos trinken: Für die Kölner Ringe sind Getränke überaus günstig, ein Weizen kostet 3 Euro, eine Cola 1,70 und auch sonst dominieren Preise der Vor-Euro-Ära. Die Toiletten sind sauber und überhaupt scheinen die Betreiber viel Wert auf eine gepflegte Optik zu legen.
Insgesamt habe ich 19 Euro inklusive Getränke und Trinkgeld beim Garten Eden gelassen und war pappsatt, was ja bei Sushi sonst eher selten vorkommt. Insofern kann ich den Garten Eden uneingeschränkt empfehlen. Ein Schlemmer-Restaurant ist er freilich nicht, wer das Exklusive sucht, ist hier fehl am Platz, doch wer sich an Sushi und anderen japanisch-asiatischen Leckereien den Bauch vollschlagen möchte und guten Service einer exklusiven Atmosphäre vorzieht, ist hier an der genau richtigen Adresse.
Restaurant Garten Eden
Hohenzollernring 22-24
Köln-Innenstadt
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