26.06.08
U4, die U-Bahn vom Friesenplatz nach Bickendorf. Es ist 23 Uhr, der Zug ist voller türkischer Fans, die ihrerseits – aber nur zu einem kleinen Teil – voll sind mit dem Frust der Verlierer. Ein älterer deutscher Fan und ein junger Türke geraten in Streit, sie stehen neben mir. Eine Gruppe grimmig guckender Irokesenschnitt-Muskel-Asis türkischer Bauart schreitet ein, der Streit muss ausgefochten werden. Der junge Türke geht, sie brüllen sich an, dann wird geschubst, der Stinkefinger gezeigt, wieder geschubst. Der besoffene Kerl rennt durch die offene Tür, zwei Männer in Türkei-Flaggen halten ihn draußen fest, damit er nicht wieder reinspringt. Er reißt sich los, springt durch die offene Tür zurück in die Bahn und wird umgehend von einem der Iros rausgekickt. Der Iro meint, dass "Ruhestörer raus" müssten.
Der Betrunkene liegt jetzt auf dem Bahnsteig in einer Lache Bier, schimpft, zeigt den Stinkefinger. Die Türen schließen sich, der Iro brüstet sich mit seiner Ordnungsliebe. Andere junge Türken brüllen "Arschloch" und meinen den Iro. Eine hübsche Türkin schimpft mit ihm, wie nur südländische Frauen schimpfen können. Die Bahn fährt an, plötzlich wird der Betrunkene mitgerissen. Es rappelt übel, man hört, dass Knochen brechen. Mehrfach. Er hatte das Bein zwischen Bahn und Bahnsteig. Die Bahn bremst, die Türen öffnen sich. Eine Frau schreit "Oh mein Gott!"
Viele junge Türken sind schockiert, der Täter brüllt: "Ein Besoffener, der ist's nicht wert!" Zustimmung erhält er nicht, die anderen jungen Leute in der Bahn sind entsetzt, viele beschimpfen den Schubser, andere laufen ihm zu Hilfe, ziehen sein Bein zwischen Bahn und Bahnsteig hervor. Es ist zum Glück noch dran.
"Verdammt, der hat sich das doch selber eingebrockt", brüllt der Täter.
Das sieht die Polizei anders, als ich ihn bei ihr verpfeife. Er war zurückgekommen, um sich das Malheur anzugucken. Schlagartig bin ich nüchtern, schlagartig bin ich Zeuge Nummer eins und darf danach zu Fuß nach Hause gehen. Durch eine Gegend voller so Typen, sichtlich gereizt vom "SCHLAAAAND"-Gehupe und möglicherweise bereits alarmiert von meiner Petze.
Ich fürchte, ich sollte Zeugenschutz beantragen...
Und das nur, weil ich EIN VERDAMMTES MAL mit dieser SCHEISS U-BAHN gefahren bin.
EINMAL!
Ich weiß schon, warum ich nicht so gerne U-Bahn fahre. Und betrunken werde ich die Linie U4 demnächst gründlich meiden.
Viele junge Türken sind schockiert, der Täter brüllt: "Ein Besoffener, der ist's nicht wert!" Zustimmung erhält er nicht, die anderen jungen Leute in der Bahn sind entsetzt, viele beschimpfen den Schubser, andere laufen ihm zu Hilfe, ziehen sein Bein zwischen Bahn und Bahnsteig hervor. Es ist zum Glück noch dran.
"Verdammt, der hat sich das doch selber eingebrockt", brüllt der Täter.
Das sieht die Polizei anders, als ich ihn bei ihr verpfeife. Er war zurückgekommen, um sich das Malheur anzugucken. Schlagartig bin ich nüchtern, schlagartig bin ich Zeuge Nummer eins und darf danach zu Fuß nach Hause gehen. Durch eine Gegend voller so Typen, sichtlich gereizt vom "SCHLAAAAND"-Gehupe und möglicherweise bereits alarmiert von meiner Petze.
Ich fürchte, ich sollte Zeugenschutz beantragen...
Und das nur, weil ich EIN VERDAMMTES MAL mit dieser SCHEISS U-BAHN gefahren bin.
EINMAL!
Ich weiß schon, warum ich nicht so gerne U-Bahn fahre. Und betrunken werde ich die Linie U4 demnächst gründlich meiden.
Comments
Display comments as
(Linear | Threaded)


Trackbacks
[Aktueller Song: "Bring Mich Nach Haus" von Fettes Brot] Nachdem ich kürzlich Zeuge einer blutigen U-Bahn-Schubserei wurde, habe ich vor einigen Tagen eine Einladung zur "Zeugenvernehmung" bekommen. Da waren Rechtschreibfehler drin. Und ich habe jetzt
Tracked: Jul 10, 23:28