Saupeinlich: Mod’s Hair
7. Dezember 2008 von CRen
[Aktueller Song: "Come On Eileen" von Dexy's Midnight Runners]
Neulich unterhielt ich mich mit einem Typen, der ganz stolz seine neue Emo-Tolle durch die Luft warf. Ich sprach ihn auf seine Frisur an und er freute sich mit leicht geschwollener Brust, dass ich die Veränderung an ihm bemerkt hatte, dass er beim Friseur war. Bei Mod’s Hair. Und 20 Euro dagelassen hatte. “Ich find’s geil”, säuselte er zwischen den tief ins Gesicht hängenden Haaren hervor.
Für mich als Verfechter der “Friseur-darf-nichts-kosten”-Kultur, der sich auch gerne beim Türken für 8 Euro die Haare schneiden lässt, war natürlich sofort ein Tor zu einer faszinierenden Welt aufgestossen.
Ich schaute mir die Emo-Tolle von dem Typen genauer an. Eigentlich ist so eine Emo-Tolle ja etwas für Menschen, die sich ja gerne mal als “alternativ” bezeichnen, während Sie die Stürmung des G8-Gipfels mit Papas Mercedes planen. Das sind diese Fake-Emos, die gerne Britpop oder “the-Bands” hören und meinen, “Wir sind Helden” wären eine tolle Band und “die Ärzte” Kult. Genau solche Leute tragen solche Frisuren. Und es kommt noch dicker, denn sie gehen zu Mod’s Hair.
Mod’s Hair ist sowas wie der Unisex für uniformierte Linksstreber. Du bist Dein Haar, sozusagen. Und das verkauft der Schnippelschuppen für teuer Geld an wohlhabende Wohlstandskritiker der zweiten Generation, natürlich als exklusive Form des vereinheitlichten Individualismus des neuen Jahrtausends. Und so sieht man dieser Tage reihenweise individualistische Konformisten, die sich in Bars und Cafés, gerade auch hier in Düsseldorf-Bilk, die Emo-Tolle aus dem Gesicht blasen, während sie mit überernstem Gesicht über schlauen Büchern oder der Neon brüten, die iPod-Stöpsel im Ohr.
Neben der Emo-Tolle führt Mod’s Hair natürlich noch andere Trendfrisuren, die bereits von zahlreichen britischen Popstars seit Pete Townshend in regelmässigen Abständen wieder aufgetragen wurden. Diese werden nun meistbietend an Menschen verkauft, die sich gerne “Mod” nennen, aber weder wissen, was das bedeutet, noch jemals auch nur in die Nähe einer Vespa gekommen sind. Das ist traurig, aber irgendwie auch ein Teil dieses völlig verkehrten Deutschland 2007.
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Geschrieben in Allgemein | 0 Kommentare | Tags: Britpop, Friseur, Frisur, Haare, Medien, Mod, Mod's Hair, Mode
