Wieso ich ein japanisches Auto fahre (2007)
6. Dezember 2008 von CRen
[Aktueller Song: "One Hit Wonderful" von Reel Big Fish]
Seit ich hier in Düsseldorf wohne, ist mir aufgefallen, dass es offensichtlich doch Menschen im krisengeschüttelten Land gibt, die sich teure oder weniger teure Sportwagen leisten können, meistens sogar in der Cabrio-Variante. Bei diesen Menschen handelt es sich in der Regel um alte, dickliche Männer oder Jungmanager mittleren Bildungsstandes, die mal so richtig “Ischen abschleppen” wollen. Wie sich das gehört.
Natürlich wollte auch ich zur Cabrio-Sportwagen-Elite gehören, schließlich habe ich nicht nur ein schweres Geltungsproblem und Haarausfall, sondern auch einen enorm kleinen Penis. Deshalb nahm ich einen einfachen Kredit von 100.000 Euro auf, das kriegt man heutzutage ja leicht mit einem dreistelligen Nettoeinkommen, wenn man nur bereit ist, sich für mehrere Jahrhunderte in die Schuldenfalle zu begeben.
Und so schwang ich mich, bewaffnet mit einem Koffer voller Geld, in die nächste hübsch ausgestattete Cabrio-Boutique. Dort gab es alles, was das kleine Glied begehrt: Zahllose Pferdestärken mit zwei Sitzen, zahllose Pferdestärken mit vier Sitzen und natürlich auch Armeen von sehr, sehr breiten Reifen.
So fragte ich also den Verkäufer, was er mir empfehlen könnte. Er betrachtete mich ausgiebig von unten nach oben, angefangen bei meinen Paar braunen Slippern mit Bömmelchen über meine Tennissocken hoch zu meinem Ballonseide-Jogginganzug und meiner windschiefen Vokuhila. Kurz rümpfte er die Nase, dann sagte er mir, dass ich hier genau richtig sei, er habe ein günstiges Finanzierungsangebot. Doch das wollte ich natürlich nicht. “Ich zahle bar!”, rief ich freudig und öffnete den Alu-Koffer und der Geruch frischer 50-Euro-Scheine drang in des Verkäufers Nase. Er schnupperte kurz mit geschlossenen Augen und bot mir sofort einen Kaffee an. “Sie können auch einen Cocktail haben, wenn Sie möchten”, rief er mir zu, während er verschwand, um ein passendes Cabrio für mich herauszukramen. Nach wenigen Minuten kam er wieder und hielt mir einen Z3 unter die Nase, weiß lackiert, das Dach in Türkis, der Lack mit neonfarbenen Applikationen. Der Verkäufer bewies einen guten Geschmack.
“Was kostet der denn”, fragte ich, obwohl es mich eigentlich nicht interessierte. “Setzen Sie sich doch einfach mal hinein, der Wagen passt wie angegossen, da bin ich mir sicher. Ich probierte den Z3 also an, musste jedoch feststellen, dass er um die Hüften herum etwas zwickte. Zudem waren die Sitze etwas kurz, so dass ich mich unnatürlich angewinkelten Beinen in diesem Wagen sitzen musste. “Und? Gefällt er Ihnen?”, fragte der Verkäufer. Ich fuhr vor einem großen Autoboutique-Spiegel vor, war jedoch nicht überzeugt. Wenn ich das Verdeck schloss, bildete sich eine unangenehme Beule im Dach des Wagens. Zudem drückte er zwischen den Beinen. “Nein”, musste ich zugeben. “Der ist wohl etwas zu klein. Haben Sie den nicht in größer?”
Der Verkäufer zögerte einen Moment. “Leider haben wir keine Maßanfertigung in unserem Hause, aber ich kann Ihnen gerne ein anderes Modell heraussuchen.” So verschwand er wieder und kehrte mit einem SLK zurück. “Der könnte passen”, sagte er, doch dieser Wagen saß noch enger. Das Spiel wiederholte sich mit einem CLK, einem Z4, einem MX5, einem Alfa Spider, einem Aston Martin. Sogar den biederen Ferrari zog er hervor, einer enger als der andere, besonders im Schritt. Ich wurde langsam ungeduldig, doch der Verkäufer wusste einen Ausweg.
“Wissen Sie”, sagte er, “Sie sind ohnehin mehr der maskuline Typ. So jemand wie Sie braucht was richtiges, ein Auto, dass ihre körperlichen Qualitäten hervorhebt. Und so zog er einen wuchtigen Porsche Cayenne hervor, schick in schwarz mit schwarzen Alufelgen. “Das ist wohl eher Ihr Stil”, sagte er und half mir bei der Anprobe. Ich fuhr mit dem Wagen vor den Spiegel und merkte erneut, wie gut dieser Wagen zu mir passen würde. Doch, herrje, auch er drückte gewaltig im Schritt, fast so, als hätte mir jemand eine Schraubzwinge auf mein Glied gezwängt. Das war nicht das richtige, auch um die Schultern herum war der Wagen eher eng, ich hatte schon Angst, die Türen zu zerbrechen und der Verkäufer merkte, wie unwohl ich mich fühlte. “Dann können wir die Top-Designer wohl vergessen”, sagte er schmallippig. Und zog ein weiteres SUV hervor. Doch auch das war zu eng. Das Spiel wiederholte sich zahllose Male und der Abend dämmerte bereits, als dem Verkäufer eine simple Tatsache dämmerte.
“Machen Sie mal ihre Hose auf”, befahl er. Ich war erst verdutzt, zog dann jedoch ohne Widerworte meine Ballonseide-Hose hinunter, unter der ich, wie immer, nichts trug.
“Hab’ ich’s mir doch gedacht!”, jubelte der Verkäufer, nachdem er mein Gemächt nur eines kurzen Blickes gewürdigt hatte, und verschwand, nicht ohne mir zuzurufen, dass ich meine Hose ruhig wieder hochziehen könne.
Wenige Minuten später erschien er wieder. Diesmal hatte er einen japanischen Mittelkassewagen dabei. “Wissen Sie”, sagte er, “das Problem haben wir nicht oft mit unseren Kunden, aber zum Glück ist es nicht das erste Mal, dass mir so etwas vorkommt. Das ist Ihr Auto.” Ich schaute auf den Mittelklassewagen. Hübsch war er nicht und auch die Farbe war unsäglich… bunt. Ich war mir nicht sicher, ob das das richtige sei, doch der Verkäufer bestand darauf, dass ich ihn anprobierte.
Er passte tatsächlich wie angegossen. Keine angewinkelten Beine, kein Druck auf den Schultern. Und was das wichtigste war: Kein Zwicken im Schritt. “Den nehm’ ich!”, rief ich freudig. “Was kostet der denn?” “Och, den können Sie geschenkt haben”, zwinkerte der Verkäufer. “Das hol’ ich beim nächsten Kunden wieder raus, diese Männer mit Haarausfall und Mini-Glied kaufen jeden Scheiß, solange er ihre körperlichen Mängel kaschiert!”
Lachend warf er mir den Schlüssel zu. “Aber jetzt raus hier, nicht dass diese Typen sehen, dass wir auch solche Typen wie Sie bedienen”, rief er und verschwand.
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Geschrieben in Allgemein | 0 Kommentare | Tags: Auto, Corolla, Hose, Japaner, Jeep, Mini, Penis, SUV, Toyota
