Chemotherapie: Die lebensrettende SUPER-Diät! (September 2007)
7. Dezember 2008 von CRen
[Aktueller Song: "Viva Las Vegas" von Elvis Presley]
So, jetzt ist’s fast vorbei. Nachdem ich in der vergangenen Woche im Krankenhaus alle nötigen Kotztechniken ausprobiert habe, um auch künftig wilden Parties zuversichtlich entgegenzusehen, habe ich das Krankenhaus verlassen und bin auf dem aufsteigenden Ast. So eine Chemotherapie ist so schlecht nicht: Man macht zwangsweise eine Paris-Hilton-Schlankheitskur und es ist wirklich ein Faszinosum, wie viel man kotzen kann, obwohl man überhaupt nichts isst. Insgesamt 8 Kilo habe ich im Rahmen meiner zwei Krankenhausaufenthalte verloren, von stattlichen 96 Kilo vor dem ersten Zyklus runter auf schwächliche 88 Kilo, zum Glück hält sich der Verlust auf rein fettiger Ebene und ist damit zu verkraften. Und das in nur vier Wochen! Da sollten diese Frauenzeitschriften mal drüber schreiben, das würde dem Diätwahn vielleicht mal Einhalt gebieten.
Doch die Chemo hat noch weitere Vorzüge: Wie durch ein Wunder sitzt mein Haupthaar zwar locker, hat sich jedoch aufgrund rechtzeitiger Schur noch nicht vollends verabschiedet, sondern nur ausgedünnt. Die Intimfrisur ist glatt und die restlichen Körperhaare sind geblieben, wo sie hingehören und sitzen weiterhin bombenfest. Nur auf der Brust können sich die Fussel noch nicht so recht entscheiden, ob sie ausfallen möchten oder nicht. Und auch das lästige Rasieren, das vor einer Woche eher in ein Rausrupfen der restlichen Gesichtsbehaarung resultierte, fällt im Moment flach: Acht Tage nach der letzten Rasur ist das Kinn immer noch glatt wie der sprichwörtliche Babypopo.
Alles andere ist im grünen Bereich: Die Chemotherapie hat, wie es scheint, den nötigen Erfolg erzielt und die übrigen Mikrometastasen entsorgt, womit ich nach Abschluss der Therapie wohl als “geheilt” betrachtet werden kann, auch wenn noch jahrelange Kontrollen folgen werden.
Das ist auch gut so, denn obwohl ich hier immer locker-flockig über dieses Thema plaudere, hat mich die vergangene Woche arg mitgenommen. Die ständige Übelkeit ging so weit, dass ich inzwischen beim bloßen Gedanken an die an den Arm angeschlossenen Giftflaschen einen massiven Brechreiz verspüre, der mich selbst beim Schreiben dieser Zeilen zwingt, zu schlucken und die Zähne zusammenzubeißen, zumindest zwischen zwei Zügen aus der Zigarette.
Ich wünsche Euch allen, dass Ihr so einen Mist niemals mitmachen müsst. Und schicke meinen vollsten Respekt an alle, die vielleicht weniger “Glück” hatten als ich und mehr Chemotherapie-Zyklen mitmachen mussten oder müssen. Es gab Momente, in denen ich mir am liebsten die Kugel gegeben hätte, damit der Mist aufhört, nein, schön ist sicherlich anders.
Aber vielleicht habe ich mit meinen Berichten hier einigen helfen können. Es ist nicht so schlimm, wie man erstmal denkt und diese Chemotherapie ist zwar im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen, aber keinesfalls der Untergang. Krebserkrankungen haben inzwischen sehr gute Heilungschancen und sind, richtig behandelt, keinesfalls mehr ein Todesurteil. Zudem werden die Heilungschancen täglich besser. Auch wenn zwischen Diagnose und Heilung vielleicht mehrere Zyklen der Chemotherapie liegen, lohnt es sich dennoch, nicht den Mut zu verlieren, selbst wenn man im Rahmen der Chemo vor Hunger zu sterben glaubt und trotzdem immer nur rückwärts essen kann!
Man darf nur niemals den Humor und die Zuversicht verlieren, denn auch, wenn ich selbst eher ein Freund der chemischen Keule als der Esoterik bin, muss ich doch sagen, dass die Psyche einen massiven Einfluss auf die Heilung hat. Wenn Euer Körper rebelliert, lacht ihn aus, denn das ist die beste Medizin, auch wenn es manchmal sehr schwer fällt!
Zuguterletzt noch ein Zitat von Winston Churchill, auf das ich kürzlich stieß:
“If you’re walking through hell, keep walking!”
Alles andere wäre dumm.
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Geschrieben in Allgemein | 0 Kommentare | Tags: Chemo, Chemotherapie, Gewicht, Gewichtsverlust, Hodenkrebs, Hodentumor, Nebenwirkung, Nebenwirkungen, Psyche
